Sonntag, 19.12.2004
Rückflug
Warum mir das Reisebüro einen Flug über Amsterdam gebucht hatte, werde ich wohl nie verstehen, das ist so ungefähr der unsinnigste Umweg überhaupt. Aber sei’s drum, die Reise verlief gut, und auch das Umsteigen auf dem Monsterflughafen Schiphol hat reibungslos geklappt. Jetzt bin ich schlicht froh, zu Hause zu sein und meine Familie und Freunde wiederzusehen.
Und was das Wetter anbelangt, muss ich mich einstweilen überhaupt nicht umstellen, es liegt ein wenig Schnee und hat knapp um null Grad – genau wie in Joensuu.
Samstag, 18.12.2004
The Englishman has left the country

English Breakfast © by the Spaniards.
Eigentlich wollte Ryan am Donnerstag morgen vor seiner Abfahrt nach Helsinki noch einmal ein Full English Breakfast kochen. Aber der Zug ging um 9, und die Nacht davor war kurz, sodass … sagen wir einfach, das fand nicht statt.
Zurück blieben hungrig-traurige Mägen und ein Kühlschrank voller FEB(tm)-Zutaten. Also haben Montse, Natalia und ich kurzerhand unser Frühstück selber gekocht, und allen nicht vorhandenen Unkenrufen zum Trotz hat das hervorragend geklappt und geschmeckt.
Mittwoch, 15.12.2004
Rezept der Woche: Vatruskat
(finnische Kartoffel[brei]taschen)
- 1 kg Kartoffeln
- 150g Mehl
- 400g Hackfleisch
- 1 Glas Tomatensoße
Die Kartoffeln schälen, kleinschneiden und mit 1 EL Salz weichkochen; das dauert ca. 30 Minuten mit einem normalem Topf. Währenddessen Hackfleisch anbraten und Soße dazugeben (oder selbermachen, dazu hatte ich aber heute keine Zeit/Lust). Darauf achten, dass das Ganze relativ dickflüssig ist, sonst fließt es einem nachher davon.
Wenn die Kartoffeln fertig sind, pürieren und das Mehl hinzugeben. Abkühlen lassen, und dann auf der gut gemehlten Arbeitsplatte kreisförmig auf etwa 8-10 cm Durchmesser auswellen (nicht zu dünn, der Teig ist nicht sehr stabil). Einen Klecks Füllung in die Mitte, zuklappen und ab aufs Blech.
Bei 300 Grad ca. 10 Minuten goldbraun backen, mit (zerlassener) Butter bestreichen. Als Beilage zum Beispiel Karotten und Erbsen aus dem Glas.
Anmerkung zum Schluss: Ganz echt und original werden die Taschen mit Reis gefüllt, aber das war mir irgendwie zu langweilig…
Samstag, 11.12.2004
Pustekuchen
Wenn man in einem fremden Land ist, sollte man damit rechnen, dass nicht alles so ist wie zu Hause. Das ist ja recht und billig, aber dass man hier keine Kirschen kaufen kann, setzt dem Fass doch die Krone auf.
Drehen wir das Ganze ein paar Tage zurück. Olli hatte Geburtstag, und ich wollte für ihn eine feine Schwarzwälder Kirschtorte backen. Alles notwendige Gerät hatte ich mir von verschiedenen Leuten ausgeliehen, einen elektrischen Handrührer um Eischnee und Sahne zu schlagen, und natürlich eine Kuchenform. Also, ab in den Supermarkt und die Zutaten gekauft. Denkste, denn zumindest im mittelgroßen Supermarkt gegenüber gab es schonmal keine Kirschen.
Nun gut, nicht verzagen, es gibt ja immernoch das Riesenmonster “wir verkaufen alles, von Wanderstiefeln zu frischem Fisch” Citymarket im Stadtzentrum. Aber auch dort gähnende Leere. Das ähnlichste dort waren in Rum eingelegte Kirschen, um Nachspeisen zu dekorieren oder sowas. Das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir, aber offensichtlich…
Ich weiß, dass es irgendwo auf der grünen Wiese vor Joensuu einen echten LIDL gibt, aber zum einen traute ich denen hier inzwischenn alles zu, und zum anderen hatte ich keine Zeit für eine derartige Odyssee. Also habe ich meine Kuchenpläne auf After-Eight-Torte umgestellt, die auch hervorragend ankam.
Belegkirschen übrigens gab es in beiden Märkten kiloweise – allerdings nur grüne! Von den roten zeugte gerade noch das Preisschild am Regal. Der Grund hierfür (plötzlicher Lieferengpass, Hamsterkäufe, …?) ist mir jedoch ebenso verborgen geblieben wie der für den eklatanten Mangel an Sauerkirschen im Glas.
Donnerstag, 09.12.2004
Wörter lernen

Schon fast berühmt.
Kurz nachdem ich nach Finnland gekommen bin, stand ich vor dem Problem, ganz viele neue Vokabeln lernen zu müssen. Also habe ich mich schlau gemacht, was da wohl eine vernünftige Vorgehensweise ist. Da ich ein sehr visuelles Gedächtnis habe, wollte ich Karteikärtchen verwenden, um solcherlei zu vermeiden: “Das Wort steht oben links auf der Seite, darunter steht X, und …”
Ich verwende jetzt eine Abwandlung der vom Studienkreis empfohlenen Vokabelkartei, die angeblich an die Phasen des menschlichen Gedächtnisses angepasst sein soll:
- 4 Kärtchenstapel (zum Karteikastenbasteln bin ich zu faul)
- Größen 1,2,4,8 cm (das kann man sich wenigstens gut merken)
- Neue Wörter kommen in den linkesten Stapel, nicht mehr als 30 am Tag
- gewusste Vokabeln wandern einen Stapel nach rechts, nicht gewusste kommen wieder ganz nach vorne
- der vorderste Stapel wird jeden Tag wiederholt, die anderen erst, wenn sie voll sind
Ein weiterer Vorteil von Karteikärtchen ist, dass man sie überallhin mitnehmen kann, und das nutze ich dazu, das Wiederholen der Vokabeln in den Pausen zwischen Vorlesungen vorzunehmen. Dabei lege ich die Kärtchen vor mir auf zwei Stapel, nicht gewusst links, gewusst rechts. So fällt mir das Sortieren nachher am leichtesten. Natürlich zieht das schon mal Aufmerksamkeit auf sich, aber nachdem ich erkläre, dass ich gerade finnische Vokabeln wiederhole, ziehen die meisten Kommilitonen eine Grimasse und lassen es dabei bewenden.
Um so mehr musste ich heute bei der “Problem Solving”-Präsentation lachen (siehe Photo). Eine Gruppe hatte das Problem “Wie kann man fremde Wörter besser lernen?” ausgewählt, und dabei mein Vokabelwiederholen als Beispiel aufgeführt – ich fühle mich geehrt. (Sie verfeinerten das ganze dann in einem Programm zu einem gewichteten Ansatz, sozusagen wie gut man eine Vokabel kennt zwischen 0 und 1, aber ich bleibe glaube ich trotzdem bei meinen Kärtchen.)
Montag, 06.12.2004
Itsenäisyyspäivä
Die traditionelle Beschäftigung am finnischen Unabhängigkeitstag ist, den Empfang bei der Präsidentin im Fernsehen anzuschauen. Die Präsidentin und ihr Ehemann müssen dabei ungefähr zweitausend wichtigen und weniger wichtigen Leuten die Hand schütteln (puh!), und das Hauptamüsement geht von der jeweiligen Kleiderordnung aus.
Ansonsten wünsche ich einen fröhlichen Nikolaustag. <*:-)
Sonntag, 05.12.2004
Weihnachtsbäckerei II
Heute haben Susi und ich unsere Backaktion von letzter Woche fortgesetzt, mit Springerle und Joulutorttuja (finnische Blätterteigsterne mit Pflaumenmus). Von dem original-amerikanischen Brownie, dessen Teigmischung Davids Eltern aus USA hergeschickt hatten, werde ich lieber schweigen, denn obwohl Susi die Anleitung Schritt für Schritt befolgt hat (wir haben auch tapfer Tassen in Deziliter und Fahrenheit in Celsius1 umgerechnet!), ist er schließlich und endlich leider steinhart und krümelig geworden.
1 y °C = 5/9 * (x - 32 °F)
Donnerstag, 02.12.2004
Weihnachten ist…

Weihnachtsmilch.
… wenn die Milch von der Weihnachtskuh kommt.
Atom 1.0
RSS 1.0
RSS 0.91